Angemessene Vergütung im Urheberrecht – Deine Rechte nach 32 und 32a UrhG

Du hast ein Werk geschaffen.
Jetzt sicherstellen, dass Du fair bezahlst wirst. 

Warum dieses Thema für Dich entscheidend ist

Du hast ein Werk geschaffen. Vielleicht ein Foto, ein Design, einen Song, ein Video oder Content für Social Media. Du hast dafür eine Vergütung erhalten – vielleicht 200 €, vielleicht 1.000 €, vielleicht auch mehr. In dem Moment wirkt das oft in Ordnung.

Was viele Kreative jedoch unterschätzen:
Der eigentliche wirtschaftliche Wert eines Werkes zeigt sich häufig erst später.

Ein Foto wird plötzlich in einer großen Kampagne genutzt.
Ein Song wird auf einmal millionenfach gestreamt.
Ein Video geht viral.
Ein Design wird zur Marke.

Und genau in diesem Moment entsteht das Problem:
Die ursprünglich vereinbarte Vergütung steht in keinem Verhältnis mehr zur tatsächlichen Nutzung und zum wirtschaftlichen Erfolg.

Das Urheberrecht erkennt dieses Problem – und löst es bewusst zugunsten der Urheber.

Die §§ 32 und 32a UrhG sorgen dafür, dass Du nicht dauerhaft unter Wert arbeitest. Sie durchbrechen in diesem Bereich sogar die klassische Vertragsfreiheit. Das bedeutet: Selbst wenn Du einen Vertrag unterschrieben hast, kannst Du später eine Anpassung verlangen.

Das ist kein Ausnahmefall – das ist ein zentraler Bestandteil des Systems.

Gleichzeitig betrifft dieses Thema nicht nur Kreative. Unternehmen, Agenturen, Labels und Plattformen müssen sich ebenfalls damit auseinandersetzen. Wer Vergütungsmodelle falsch strukturiert, läuft Gefahr, Jahre später mit erheblichen Nachforderungen konfrontiert zu werden.

Was bedeutet „angemessene Vergütung“ konkret?

Der Begriff der „angemessenen Vergütung“ ist der Dreh- und Angelpunkt.

Das Gesetz formuliert bewusst offen:
Eine Vergütung ist angemessen, wenn sie im Zeitpunkt des Vertragsschlusses dem entspricht, was im Geschäftsverkehr unter Berücksichtigung aller Umstände üblicherweise gezahlt wird. Das klingt abstrakt – ist aber in der Praxis gut handhabbar.

Entscheidend sind insbesondere folgende Faktoren:

Art des Werkes

Welche Art von Werk wurde geschaffen?

Nutzungsrechte

Welche Nutzungsrechte wurden eingeräumt?

Nutzungsdauer

Wie lange darf das Werk genutzt werden?

Geographischer Umfang

In welchem Umfang erfolgt die Nutzung?

Wirtschaftliche Bedeutung

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat das Werk?

Branchenüblichkeit

Was ist in der Branche üblich?

Gerichte orientieren sich dabei häufig an konkreten Marktvergleichen. Sie prüfen, was andere Urheber in vergleichbaren Situationen erhalten haben.

Wichtig ist: Es geht nicht um eine „irgendwie faire“ Vergütung, sondern um eine objektiv angemessene Beteiligung.

Warum Deine Zustimmung keine Rolle spielt

Ein zentraler Punkt, den viele unterschätzen:

Deine Zustimmung macht eine unangemessene Vergütung nicht automatisch wirksam.

Das Urheberrecht schützt Dich bewusst auch vor Deinen eigenen Vertragsentscheidungen, wenn diese zu einem strukturellen Ungleichgewicht führen.

Das bedeutet konkret:
Du kannst eine Vereinbarung unterschrieben haben – und trotzdem später mehr verlangen.

Dein Team für Fragen zur angemessenen Vergütung

Rechtsanwältin
Juliette Sarvan de Castro

Rechtsanwalt
Patrick Rehkatsch

„Erfahren. Strategisch. Durchsetzungsstark.
Wir lösen Eure rechtlichen Herausforderungen.“

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Rehkatsch Rechtsanwälte bekannt aus Medien wie Bild, Express, Bunte, Yahoo, etc

Typische Konstellationen, in denen Vergütungen zu niedrig sind

In der Praxis zeigen sich immer wieder ähnliche Muster.

Buyout-Verträge

Du erhältst eine einmalige Zahlung und überträgst umfassende Nutzungsrechte. Das wirkt auf den ersten Blick einfach und sauber. In der Realität heißt das häufig: Du bist vollständig vom späteren wirtschaftlichen Erfolg abgeschnitten.

Gerade bei digitalen Inhalten ist das hochproblematisch, weil Nutzung und Reichweite oft erst im Laufe der Zeit entstehen.

Pauschalvergütungen ohne Anpassung

Ein fixer Betrag wird vereinbart – unabhängig davon, wie intensiv das Werk später genutzt wird.

Das kann bei kleinen Projekten funktionieren, wird aber problematisch, sobald sich die Nutzung ausweitet.

„Alle Rechte“-Klauseln

Formulierungen wie „alle bekannten und unbekannten Nutzungsarten, zeitlich und räumlich unbegrenzt“ sind weit verbreitet.

Sie sind nicht automatisch unwirksam – aber sie führen häufig dazu, dass die Vergütung nicht mehr angemessen ist.

Social Media und Plattformökonomie

Gerade im Bereich YouTube, TikTok, Instagram oder Streaming entstehen enorme Reichweiten – oft auf Basis von Inhalten, die ursprünglich sehr niedrig vergütet wurden.

Hier klaffen Nutzung und Vergütung besonders weit auseinander.

Konkretes Beispiel

Ein Fotograf verkauft ein Bild für 300 €.
Das Unternehmen nutzt dieses Bild anschließend europaweit über mehrere Jahre in Marketingkampagnen.

In einem solchen Fall wird man regelmäßig zu dem Ergebnis kommen, dass die ursprüngliche Vergütung nicht angemessen war.

32 UrhG – Vergütung bei Vertragsschluss

§32 UrhG setzt genau am Anfang an. Er greift, wenn die Vergütung bereits im Zeitpunkt des Vertragsschlusses unangemessen war.

Inhalt des Anspruchs

Du kannst verlangen:

  • Anpassung des Vertrags
  • Zahlung einer angemessenen Vergütung
  • Nachzahlung der Differenz

Maßstab der Bewertung

Gerichte prüfen insbesondere:

  • Marktüblichkeit
  • Branchenstandards
  • Umfang der Nutzungsmöglichkeiten
  • wirtschaftliche Bedeutung

Praktische Bedeutung

Der Anspruch aus §32 UrhG entsteht grundsätzlich einmal – nämlich im Zeitpunkt des Vertragsschlusses.
Das bedeutet: Wenn die Vergütung damals zu niedrig war, kannst Du sie nachträglich korrigieren.

32a UrhG – Der Bestsellerparagraph

32a UrhG greift, wenn sich der wirtschaftliche Erfolg eines Werkes erst später entwickelt.
Er ist deshalb einer der wichtigsten Schutzmechanismen im Urheberrecht.

Voraussetzungen

Ein Anspruch besteht, wenn:

  • Deine Vergütung
  • in einem auffälligen Missverhältnis
  • zu den Erträgen und Vorteilen aus der Nutzung steht

Besonderheiten

  • Es spielt keine Rolle, ob der Erfolg vorhersehbar war
  • Der Anspruch kann sich auch gegen Dritte richten
  • Der Anspruch kann mehrfach entstehen

Beispiele

  • Ein Song wird zunächst durchschnittlich bewertet – und geht später viral.
  • Ein Film entwickelt sich nach Jahren zum Kultklassiker.
  • Ein Social-Media-Video erzielt plötzlich Millionen Reichweite.

Unterschied zwischen § 32 und § 32a

§ 32 UrhG

§ 32a UrhG

Beide Regelungen ergänzen sich und bilden zusammen ein starkes Schutzsystem.

Erkennst Du Dich wieder?

Wenn Du den Eindruck hast, dass Deine Vergütung nicht angemessen war, solltest Du Deine Situation prüfen lassen.

So setzen wir deine Anspruche durch

Strukturierter Prozess — haufig uber Stufenklage.

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